Erste Eindrücke von Prag

20.02.2019

Mein Heim und mein Block

Endlich bin ich ein richtiger Student und wohne, wie es sich gehört, in einem Wohnheim, nämlich dem Kolej 17. Listopadu, das nach dem 17. November 1989 benannt ist, dem (ungefähren) Beginn der Samtenen Revolution. Es besteht aus zwei Hochhäusern im Stadtteil Holešovice, von denen auf dem ersten eine gigantische Lenovo-Werbung für die angrenzende Schnellstraße prangt. Umgeben sind die beiden Türme von Baustellen und Baufälligem gleichermaßen.

Ein heruntergekommenes Haus
Der Blick aus meinem Zimmer: Ten starý dům se rozpadá … 🎶

Das Zimmer teile ich mir mit einem Rumänen, der sich Morris Beardbarian nennt. Er hat seinen Bachelor in Bukarest gemacht und ist jetzt im zweiten Semester seines Masters in Informatik mit Richtung Spieleentwicklung hier in Prag. Bad und Küche teilen wir uns mit dem Franzosen Tom und dem Deutschen Momme aus dem Nachbarzimmer. Momme hat gerade ein Semester Materialwissenschaften hier studiert und kehrt am Freitag zurück nach Deutschland. Profiteur davon bin ich, der ich mir jetzt seine Ausstattung (Pfanne, Topf, Wäschekorb) unter den Nagel reißen kann und ihm damit sogar noch einen Gefallen tue.

Die Küche ist natürlich ziemlich klein und dort zu kochen erfordert schon besondere logistische Fähigkeiten, aber ich werde immer besser. Ein bisschen ist es wie damals in Ziegelhausen … An Ziegelhausen erinnert mich auch das gute Wasser, denn wir haben einen Wasserautomaten im Erdgeschoss, der einem kostenlos ziemlich gutes Wasser mit oder ohne Kohlensäure in die eigene Flasche füllt. Welch Errungenschaft tschechischer Technik!

Ein Hochhaus in der Ferne
Vom Bahnhof über die Moldau nach Hause.
Eines Baumes Wurzeln brechen den Asphalt
Auf dem Weg zum Bahnhof Holešovice: Die Natur sprengt ihre Fesseln.

Das Viertel ist eigentlich im Allgemeinen nichts Besonderes, aber wenn ich vom Bahnhof Holešovice zum Wohnheim laufe, erblicke ich immer ein sehr eigenwillig gestaltetes Lokal: Voller Rost und Zahnräder, mit sich bewegenden Elementen und gelegentlich blinkenden Lampen präsentiert sich der Cross Club. Für gewöhnlich halte ich solche Extravaganz ja erstmal – und gerade in Prag – für touristischen Aufhänger, aber die nicht gerade zentrale Lage und der Fakt, dass sie auf Tafeln auch groß ihr veganes Essen bewerben, werden schon dafür sorgen, dass ich dort in nicht allzu ferner Zukunft mal vorbeischaue.

Eine Innenhofverzierung aus rostigen Zahnrädern
Der Cross Club.

Die Stadt und ihre Wege

Vom Bahnhof Holešovice kommt man mit der Metro oder der Straßenbahn sehr schnell zum Hauptbahnhof und in die Innenstadt. Generell bin ich hin und weg von den öffentlichen Verkehrsmitteln hier. Es gibt einfach überallhin eine schnelle Verbindung, auch wenn die vielen Straßenbahnlinien noch etwas verwirrend für mich sind.

Und das beste ist, wie günstig die Zeitkarten sind. Für eine Dreimonatskarte habe ich mit dem Studentenrabatt 360 Kronen (14 €) bezahlt und selbst für Normalsterbliche wären es noch annehmbare 1480 Kronen (58 €) gewesen.

Obwohl die Stadt mit ihrer Größe auf mich anfangs völlig unübersichtlich gewirkt hat, habe ich mittlerweile die meisten relevanten Stadtteile ausgekundschaftet. Allein in die Altstadt habe ich bisher tatsächlich noch keinen Fuß gesetzt, was bei ihrer zentralen Lage irgendwie ein wenig verrückter wirkt als es tatsächlich ist.

Ausblick

Nach diesem generischen Bericht wird es im nächsten Beitrag vielleicht interessanter mit einer Reise durch die Wolken und anschließendem Abstieg hinab zu Beelzebub.