Wolkige Kleinkinder

24.02.2019

Besuch bei Nevan Contempo

Nachdem ich mich halbwegs in Prag zurechtgefunden hatte, habe ich mich mal erkundigt, was an Konzerten und sonstigen Veranstaltungen derzeit so los ist. Recht schnell bin ich dann auf etwas gestoßen, was halbwegs wie ein Konzert aussah: Cloudy Babies: EP in der Kunstgalerie Nevan Contempo. Die Ästhetik der Bilder und des Namens hat mich irgendwie angesprochen und ich habe dann entschieden, da doch einfach mal aufzukreuzen. Auf der Karte habe ich außerdem gesehen, dass die Galerie direkt neben einer Bar mit dem vielversprechenenden Titel Belzepub liegt.

Zwei junge Frauen in silbernen, weltraummäßig anmutenden Kostümen
Die Cloudy Babies (Bild von goout.cz)

Als ich dort ankam, musste ich erst etwas suchen, bis ich den richtigen Hinterhof gefunden hatte. Das ganze erinnerte etwas an einen gewissen Plattenladen in Mannheim … Natürlich war ich immer noch hoffnungslos zu früh und musste noch eine Weile draußen warten. Das Völkchen, das allmählich auch eintrudelte, überraschte mich wenig, stimmte mich aber ganz zuversichtlich, dass das ein interessantes Konzert werden würde: Jung und alternativ wie die Galerie selbst wohl auch.

Cum tempore wurde dann der Einlass freigegeben. Etwa dreißig Leute waren gekommen und hatten sich nun in der Hälfte des auch etwa dreißig Quadratmeter großen Saales zu versammeln, die für das Publikum vorgesehen war. Mitten in dieser Hälfte stand dann auch noch ein etwa zwei Meter hohes weiß-opakes … Ding mit etwa eineinhalb Meter Durchmesser, das ein wenig aussah wie ein geschliffener, auf dem Kopf stehender Diamant. Man stellte sich also irgendwie auf und machte die Augen vertraut mit dem breiten schwarzen Tuch, das schräg von der Decke hing und hinter dem schon die beiden Musikerinnen auszumachen waren, sowie mit den projizierten Sternen, die das Tuch und den sonst weißen Raum schmückten.

Nicht überaus überraschend entpuppte sich die Musik als eine Art Minimal Elektro, die aus der Dose kam und zu der die beiden teils gesprochene, teils leise gesungene englische Texte vortrugen. Mir und wohl den meisten dort gefiel das Ganze sehr gut und wir waren etwas enttäuscht, dass es nach zwanzig bis dreißig Minuten schon vorüber war, aber es ist eben erst die Debüt-EP. Ich hatte eine Bitte um einen Obolus nach dem Pay-After-Prinzip erwartet, doch nicht nur blieb eine solche aus, sondern vor der Galerie wurde sogar noch kostenlos Wein ausgeschenkt. (Na gut, das Ausschenken musste man selbst übernehmen.)

Dort habe ich dann endlich auch mal eine Gruppe Leute angesprochen, von denen einer mit der altbekannten Bathory-Ziege auf dem Pullover unterwegs war. Die Gruppe bestand aus drei Amerikanern, die auch seit Kurzem in Prag studieren, und einer Tschechin, die tatsächlich die Schwester einer der Wolkenkinder ist. Als der Künstlerwein zur Neige ging, machten wir uns dann auf in ein Pub und – wieder wenig überraschend – war das Ziel dann das schon ausgekundschaftete Belzepub nebenan. Dort habe ich dann endlich gelernt, dass man ein Pilsner Urquell, das in dieser Schreibweise überall auf den Karten steht, einfach nur mit dem Begriff „Plzeň“ bestellen sollte, wenn man es wirklich bekommen will.

Ins Belzepub kam dann auch die eine der Sängerinnen noch nach und ich musste dort dann leider von ihr erfahren, dass die EP allein auf Spotify erscheint, sodass die meisten von euch wohl nicht in den Genuss kommen werden, sich die Musik tatsächlich anzuhören. Ein Jammer das! Von einer anderen Tschechin, die als Schauspielerin arbeitet, habe ich mir dann tschechische Filmtipps abgeholt. (Man muss wissen, dass der tschechische (und der ehemals tschechoslowakische) Film sehr renommiert ist.) Die Empfehlungen „Samotaři“, „Kolja“ und „Vtáčkovia, siroty a blázni“ sind aber alles Filme, für die ich wohl demnächst dann wohl eine Bibliothek aufsuchen muss, um einen auszuleihen.

Große Kreideschrift an der Wand: „Punk means fight bullshit!“
Leider mein einziges Foto von dem Abend: Ein starkes Motto an einer Wand im Belzepub!

Schmelztiegel Dog Bar

Mit den Amerikanern war ich ein paar Tage darauf dann noch in der auch Dog Bar (dt. Hundebar) genannten Absteige Vzorkovna. Der Laden heißt so, weil immer der riesige Hund des Inhabers dort drinnen rumstreunt. Es ist die Art von Bar, in der man sein Bier in Einmachgläsern serviert bekommt und auf allem sitzt, nur nicht auf normalen Stühlen. Um genau zu sein, ist es gar nicht eine Bar, sondern ein Keller mit ganz vielen kleinen Bars, an denen man verschiedene Dinge bekommt. Es ist dunkel, sieht ziemlich alternativ aus und einem Gast wäre ich fast auf sein Didgeridoo getreten, das er in einem der engen Gänge spielte. Dementsprechend voll ist es dort auch und die Menge ist sehr international … Einen Besuch war die Bar mal wert, aber dabei bleibt es für mich auch fürs Erste.