Danke, Karl!

28.02.2019

Abklatsch der Karle

Fast könnte man es vergessen, aber ich bin ja tatsächlich in Prag, um hier auch was zu studieren. Und nicht nur ist diese Stadt auch einigermaßen bekannt für ihre Universität, die Übersiedelung aus Heidelberg bietet sich schon aus Namensgründen an:

Es gibt übrigens durchaus auch einige Kooperationen. Im Bündnis 4EU haben sich zum Beispiel Heidelberg, Prag, Krakau und die Pariser Sorbonne zusammengeschlossen und gerade am heutigen Tage kamen noch Kopenhagen und Mailand dazu.

Plakat für die Veranstaltung „Sparsity“ mit den Namen der vier 4EU-Universitäten
Plakat für eine irgendeine gemeinsame Veranstaltung

Aber genug davon. Mich betrifft eigentlich nur die Mathematisch-physikalische Fakultät und genauer gesagt die informatischen Institute. Glücklicherweise ist die gesamte Informatik in einem Gebäude angesiedelt – und das liegt direkt am Kleinseitner Ring und teilt sich eine Wand mit der St.-Nikolaus-Kirche. Wer schonmal in Prag war, hat es vermutlich schon einmal aus Versehen gesehen.

Links die St.Nikolaus-Kirche mit prächtiger Kuppel, rechts das triste Universitätsgebäude
Kleinseitner Ring mit St.-Nikolaus-Kirche und Mathematisch-physikalischer Fakultät

Naturgemäß gibt es auch hier einen Rechner-Pool, den ich auch schon fleißig nutze. Leider sieht der etwas repräsentativer aus als unser beliebter Coli-Bunker und ist ob seiner Größe und seiner glänzenden Marmorwände auch einfach nicht ganz so heimelig. Hier gibt es sogar eine Panorama-Ansicht davon, sodass ihr euch ein Bild machen könnt; ich fordere alle stolzen Heidelberger Colis auf, eine vergleichbare Panorama-Ansicht von unserem grandiosen Pool zu liefern! (Räumt vielleicht vorher das Pfand weg.)

Ganz nett finde ich, dass man zwischen Rechnern mit Gentoo, openSUSE und lustigerweise sogar Windows wählen kann. Dagegen gar nicht so schön findet mein Rücken, wie unglaublich niedrig die Tische sind: Der Abstand zwischen Sitzfläche und Tischoberkante beträgt gerade mal 27 cm. Das ist doch nicht normal oder? Wie ist es bei euch? Schreibt’s in die Kommentare … ääh, oder so. (In meinem Zimmer im Wohnheim ist das Problem leider nicht wirklich besser. Der Wohnheimsguide bezeichnet den Stuhl dort als Legende und empfiehlt: „Wenn euch euer Rücken lieb ist, kauft euch einen anständigen Bürostuhl oder erledigt eure Programmieraufgaben im Bett.“)

Ein Zwei-Bildschirm-System mit dem Gentoo-Logo als Desktop-Hintergrund
Gentoo im Pool!

Meine Kurse

Fünf Kurse hab ich mir mit etwas Mühe aus dem Angebot hier zusammengeklaubt: Paralleles Rechnen als einzigen Kurs in der Informatik sowie Dialogsysteme, Deep Learning, Algorithmen für die Spracherkennung und Maschinelle Übersetzung am UFAL, dem Institut für formale und angewandte Sprachwissenschaft. Der Informatikkurs ist der einzige, der auf Tschechisch gehalten wird, aber die Übungen sind englisch, also zum Glück machbar. Gleichzeitig ist das auch der einzige Kurs, den ich bisher hatte (der Deep-Learning-Dozent ist noch krank), den mehr als vier Studierende besuchen.

Dialogsysteme und Maschinelle Übersetzung haben nämlich beide nur drei Leute außer mir belegt, was für uns natürlich toll ist, weil man so in einen sehr persönlichen Kontakt mit den Dozenten kommt. Andererseits ist es etwas schade, dass der Studiengang so klein ist und ich würde gerne wissen, wie das Kursangebot finanziert wird. Bei Gelegenheit werde ich da mal nachfragen. In dem Spracherkennungskurs habe ich die ersten drei Wochen sogar Einzelunterricht, um die Grundlagen aus dem Einführungskurs im Winter nachzuholen. Währenddessen haben die anderen zwei Studis, die den Kurs belegen, einfach frei. Bisschen komisch, ich hab’ darum nicht gebeten, aber mir soll’s recht sein. Jedenfalls wirkt der Dozent auf mich wie ein Klon von Bjarne Stroustrup. Er sieht einfach genauso aus (nur dass er noch mehr Haare hat als Bjarne) und er hat auch genau die zurückhaltende und nasale Sprechweise.

Als ein Unterschied zu meinen Coli-Kursen in Heidelberg kommt mir vor, dass größerer Wert gelegt wird auf praktische und aktuelle Systeme. Für die Dialogsysteme-Aufgabe diese Woche arbeiten wir zum Beispiel mit dem Assistenzsystem Mycroft und im Übersetzungskurs haben wir verschiedene Möglichkeiten, zur Fachkonferenz WMT19 beizutragen, zum Beispiel durch Ausdenken von Evaluationskriterien. Apropos echte Systeme: Da fällt mir auch ein, dass im März das Symposium Curl Up an der Fakultät hier stattfindet, bei dem es selbstverständlich um unser aller Lieblings-HTTP-Bibliothek geht. Sehr spannend, vielleicht gehe ich da mal hin! Und kurz davor ist sogar die IETF 104 hier.

Jedenfalls sehe ich schon, dass es mir nicht langweilig werden wird. Ich bin gespannt auf die kommenden Monate.

Der Wasserautomat im Wohnheim und ich
Das Foto war ich noch schuldig. Sprudel aus dem Automat: Die Zukunft ist jetzt!