Prager Museen I

07.04.2019

Mein März stand im Zeichen dreier schöner Besuche von Marvin, Maja sowie von meiner Mutter und Martin. (Ja, ich erlaube nur Besuche von Leuten mit M.) Neben anderem durchaus unterhaltsamen Programm haben wir auch einige Museumsbesuche hinter uns gebracht. Über zwei Museen, die man bei einem Besuch in Prag beinahe aufgedrängt bekommt, berichte ich hier und zwei etwas unauffälligere wird der nächste Beitrag vorstellen.

Vorab sei noch das Nationalmuseum erwähnt, das ich selbst bisher noch nicht besucht habe, was unter anderem daran liegen mag, dass Marvin mir davon nichts Gutes berichtet hat. Außerdem gibt es dort eine Ausstellung zu den Kelten und, obwohl der Fokus vermutlich auf den Festlandkelten liegt, fürchte ich mich davor, durch die Ausstellung allzu sehr an eine gewisse, angeblich grüne Insel erinnert zu werden.

Kafka-Museum

Woran Deutsche in Prag wohl kaum vorbeikommen, ist das Museum zu Franz Kafka. Dieses Museum war schon 2011 der vorgeschützte Grund meines Deutschlehrers, um mit uns einen Ausflug nach Prag zu machen, und dennoch erinnere ich mich nicht mehr an vieles aus dem Museum abgesehen davon, dass es mich nicht sehr beeindruckt zurückgelassen hat. Da ich aber das Wenige, was ich von Kafkas Werk kenne, sehr gerne mag, hatte ich trotzdem Lust, mir das Museum noch einmal anzuschauen. Vielleicht würde mich es ja dieses Mal, mit ein paar Jahren mehr auf dem Buckel, auch eher ansprechen!

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eindeutig die Person Franz Kafka. Man lernt seine Familienverhältnisse kennen, darf seinen täglichen Schulweg nachvollziehen, wird über seine Freunde und sogar über deren Interessen unterrichtet. Es geht um Kafkas Studium, sein Berufsleben als Versicherungsangestellter, um seine Beziehungen zu Freunden und Geliebten und natürlich zu seinem Vater, und schließlich um seine langjährige und letztendlich tödliche Erkrankung an Lungentuberkulose.

Untermalt ist das ganze selbstverständlich mit Bezügen zu und Zitaten aus seinen Texten. (Die Zitate sind neben den originalen Ausstellungsstücken wie z. B. den Briefen das einzige Deutsche in der Ausstellung.) Gegen Ende wird anhand von Originalausgaben der meisten Bücher auch das Werk noch etwas vorgestellt. Literaturwissenschaftliche Thesen oder etwas Rezeptionsgeschichte dazu finden aber keinen Eingang ins Museum (oder ich habe das übersehen).

Wie bei meinem ersten Besuch war ich nicht wirklich gerade überwältigt von der Ausstellung. Es ist sicherlich interessant, so vieles über Kafka selbst zu erfahren, und gerade wenn man Prag ein bisschen kennt auch ganz nett, nachzuvollziehen, wo er so seine Zeit verbracht hat. Aber ich hätte mich schon darüber gefreut, wenn noch mehr auf das Werk eingegangen würde. Darauf, was es von dem anderer Schriftsteller unterscheidet und wie es zu verschiedenen Zeiten wahrgenommen wurde. (Zur kommunistischen Zeit der Tschechoslowakei war Kafka z. B. verboten, was ich aber irgendwo anders gelernt habe, auch wenn das im Museum sicher irgendwo vorgekommen sein muss.) Aber es ist natürlich nachvollziehbar, dass es nicht leicht ist, eine Ausstellung über Literatur zu entwerfen, denn fürs Lesen braucht man ja viel mehr Zeit als man in ein Museum mitbringt.

Mucha-Museum

Zwischen dem Kafka- und dem Mucha-Museum gibt es eine Kooperation, sodass man Karten günstiger bekommt, wenn man sie im jeweils anderen ersteht. Auch die Museumsläden bieten einiges aus dem jeweils anderen Museum an und so wurde ich Banause erst im Kafka-Museum auf den Künstler Alfons Mucha aufmerksam, der wohl vor allem durch seine detailreichen und botanikverliebten Darstellungen von Frauen oder von Konzepten wie Jahreszeiten als Frauen bekannt ist.

Vier Bilder im Hochformat, die sehr bunt und detailverliebt die Tageszeiten als Frauen in langen Gewändern in der Natur darstellen
Die Vier Tageszeiten (1899) (CC-BY-SA 4.0, Wikimedia-Nutzer Byronmercury, Info hier)

Die hier gezeigte Allegorie Die Vier Tageszeiten ist zum Beispiel neben anderen ähnlichen Bildern Teil der Ausstellung in dem Museum. Was ich persönlich jedoch noch interessanter fand, sind Muchas Plakate. Bekannt ist er nämlich dadurch geworden, dass er während der Belle Époque in Paris ikonische Plakate für Theateraufführungen und anderes (z. B. für Parfüm und Schaumwein) entworfen hat. In seinem Heimatland hat er später mit verschiedenen Postern zur Festigung des tschechoslowakischen Nationalgefühls beigetragen. Ein Beispiel ist die Bewerbung von Veranstaltungen der Sokol-Bewegung, einer Sportbewegung, die mit ihren Massen-Sportveranstaltungen anscheinend eine wichtige Rolle bei dessen Entwicklung gespielt hat.

Pompöse Darstellung zweier durchtrainierter Männer in stolzen Posen und Nationalfarben
Plakat für das achte Sokol-Turnfest (1912) (Info hier)

Muchas Monumentalwerk, das Slawische Epos, ein Zyklus über die Geschichte der slawischen Völker in 20 riesenhaften Gemälden, ist allerdings derzeit nicht in Prag ausgestellt. Für dieses eher kleine Museum wäre das Werk sowieso viel zu groß und vielleicht auch zu wertvoll. Nach einiger Recherche bin ich extrem verwirrt darüber, wo die Bilder sich zurzeit aufhalten. Anscheinend waren sie bis 2012 eine Weile lang in Prag im Veletržní Palác ausgestellt, waren dann auf einer Asienreise und waren dann 2018 wohl wieder in der Tschechischen Republik, aufgeteilt zwischen Prag und Brünn. Aber die Prager Ausstellung im Obecní Dům ist schon lange zu Ende. Mir scheint, als ob es derzeit keine Ausstellung gibt, vielleicht weil man schlichtweg keinen passenden Ort für die vielen Riesenbilder findet.