Unterwegs an Moldau und Elbe

02.08.2019

Es begab sich vor einigen Wochen, dass eine Anfrage von meinem lieben Freund Patrick einging, der fragte, ob ich nicht Lust auf eine kleine Radtour in Tschechien hätte. Vorschlag war zunächst eine Route von Prag über Pilsen ins bayrische Eschlkam. Zunächst war ich skeptisch, da ich zum einen an das Große Scheitern 2016 (?) in Mainz zurückdenken musste und zum anderen schon seit Februar keinen Fahrradsattel unter dem Hintern gespürt hatte.

Aber Lust hatte ich auf jeden Fall und wir haben dann eine Route gefunden, die in der Lage war, meine Bedenken etwas zu mildern: Von Prag aus sollte es zunächst an der Moldau entlang bis zur Mündung in die Elbe bei Mělník gehen und von dort aus dann an der Elbe entlang bis nach Děčín an der Grenze zu Sachsen. Nach zweieinhalb Tagen würde es dann mit der Bahn zurück nach Prag gehen. Durch die Lage am Flussufer versprach die Strecke recht eben zu sein und hatte außerdem den Vorteil, einige schöne Elbstädtchen auf dem Weg zu haben. Und einen kleiner Schlenker weg vom Elbufer liegt Theresienstadt, was ich mir vor meiner Rückkehr nach Deutschland sowieso noch anschauen wollte.

Die Route war geplant, ein Termin gefunden, Fahrräder mit Ausrüstung wie Satteltaschen und Schlössern (allerdings ohne Schnickschnack wie Licht oder Radreparaturset) in Prag ausleihbar und ein Zelt weilt mittlerweile ja auch hier. Es stand also nichts mehr im Wege und – kaum war Patrick angereist – machten wir uns eines Freitagmorgens uns auf den Weg.

Zwei fesche Burschen mit ihren Rädern vor dem Wohnheim samt Baustelle
Der Baustelle Dem Wohnheim den Rücken gekehrt

Ich bin ja (beinahe) ein völliger Neuling, was so richtige Radtouren angeht, und ich muss sagen, dass ich positiv überrascht darüber war, wie gut der Weg ausgeschildert war. Eigentlich brauchte man fast gar keine Karte, sondern musste nur an den Krezungen ein bisschen auf die Schilder achtgeben. In Sachen Beschaffenheit des Weges war eigentlich alles dabei: Vom Fahren auf der Landstraße über tolle Radwege bis hin zu Schotter- und Splitpisten und sogar hügeligen Waldtrampelpfaden, auf denen wir jede Sekunde gehofft haben, sie ohne Gegenverkehr überwinden zu dürfen. Abgesehen von ein paar Aufstiegen, wenn der Weg vom Moldau- bzw. Elbufer wegführte, waren die Wege flach, aber dafür hatten wir streckenweise ganz gut mit Gegenwind zu schaffen.

Erwartet hatten wir natürlich eine schöne Flusslandschaft und das gab es dann auch direkt. Sehr gut! Allerdings haben uns auch ein paar schöne Überraschungen am Wegesrand aufgelauert. So kamen wir zum Beispiel an einem netten barocken Schlösschen vorbei und durften am Straßenrand auch immer mal wieder ein paar Wildpflaumen abgreifen.

Kleines rot gestrichenes barockes Schlösschen. Der Aufgang mit Statuen verziert. Im Vordergrund schöne rote Pflanzen.
Schloss Veltrusy
Die feschen Burschen vor dem Schloss
Fotografiert vom Traualtar aus, der da so herumstand

Als wir in Mělník, wo die Moldau in die Elbe mündet, zum Kaffee eingekehrt sind, wurde uns bewusst, dass wir uns ab jetzt auf sehr touristisch gezeichnetem Boden befinden würden: Gekellnert wurde direkt auf Deutsch, denn sogar die einzigen nichtdeutschen Gäste auf der kleinen Terasse des Café Tamara haben gerne auf Deutsch bestellt. Unserer Tischnachbar im besten Alter, der offensichtlich auch auf dem Elberadweg unterwegs war, hat uns dann direkt mal sein Leid geklagt, wie schlimm doch die Wege von der Elbquelle (woher er gerade kam) bis nach Mělník gewesen seien. Das gäbe es in Deutschland nicht! Aber er hat uns auch verheißen, dass die Wege wohl ab jetzt – spätestens aber ab Litoměřice! – besser werden würden.

Und da sollte er tatsächlich Recht behalten. Die Wege an der Elbe waren wirklich großenteils schöne Radwege und dementsprechend gut ging es dann auch voran. Wir endeten für den Tag in Roudnice nad Labem, wo wir unser Zelt auf einem ufernahen Zeltplatz „pod lipou“ („Unter der Linde“) aufstellten und noch etwas das Städtchen besuchten.

Am nächsten Morgen fuhren wir zuerst ins nahe gelegene Theresienstadt, das von den Nazis als großes Sammel- und Durchgangslager für den Holocaust genutzt wurde. Daran erinnern dort heutzutage mehrere verschiedene Museen, die wir natürlich nicht alle besuchen konnten. Wir haben uns die Kleine Festung angeschaut, die als Gestapo-Gefängnis diente. Zu sehen waren die Zellen und andere Räumlichkeiten wie ein Waschraum sowie auch einige Ausstellungen zu verschiedenen Themen wie etwa der Sklavenarbeit in Arbeitskommandos in unterirdischen Fabriken. Insgesamt waren wir am Ende leider immer noch etwas verwirrt, weil es eben so vieles darüber zu wissen gäbe, da das Lager verschiedene Phasen durchgemacht hat und auch verschiedene Funktionen hatte.

Eine riesige Zahl flacher Grabsteine auf einer Wiese. In der Mitte ein großes Kreuz. Weiter hinten und etwas versetzt ein großer Davidstern.
Nationalfriedhof vor der Kleinen Festung

Wir fuhren also ein Stückchen weiter nach Litoměřice, wo wir in der Altstadt zu Mittag aßen und machten dann den Rest des Tages gute Fahrt. So gute Fahrt tatsächlich, dass wir an beiden im Vorhinein in Betracht gezogenen Zeltplätzen vorbeigefahren sind und abends direkt schon in Děčín ankamen. Dort haben wir dann auf dem Zeltplatz des Jahres 2019 übernachtet, der ganz nett, aber auch gar nicht so spektakulär war.

Zum Abschluss sind wir dann am nächsten Tag noch gerade so nach Deutschland gefahren, nämlich nach Schöna. Auch dort waren wir früher als geplant, mussten also noch eine Weile auf unseren Zug Richtung Prag warten. Alles in allem war ich sehr begeistert von der Tour und froh, dass alles so gut geklappt hat. Selbst das Wetter hatte uns lieb und wir durften immer trocken bleiben.

Ein Busch, der voll mit kleinen rot-gelben Früchten hängt
Wildpflaumen (oder Wilde Mirabellen): Unser Glück am Wegesrand

Zurück in Prag haben wir dann die Fahrräder abgegeben und noch eine kleine Pragtour über Vyšehrad und Prager Burg gemacht, was tatsächlich auch das erste Mal war, dass ich während dieses Tschechienaufenthaltes auf der Burg war.