Ein Freibad und das Ewige Feuer

03.08.2019

Obwohl ich durch die Radtour zum ersten Mal etwas mehr von dem Tschechien außerhalb Prags gesehen habe, habe ich es tatsächlich eine Woche vorher schonmal ins Umland geschafft. (Ja, schändlicherweise habe ich all meine Zeit vorher in Prag gefristet.) Und zwar in ein Freibad in Volyně nahe der Grenze zu Bayern! Wie konnte es so weit kommen?

Schon länger bete ich die beiden Bands Master’s Hammer aus Prag und Stíny plamenů aus Pilsen an, die auch beide einigermaßen regelmäßig Auftritte spielen, allerdings eher selten in Deutschland, und von Anfang an bestand die Hoffnung, während dieses Aufenthalts doch eine der beiden sehen zu können. Lange Zeit schien ich Pech zu haben, da keine Auftritte vor Oktober geplant waren, doch als ich mich bequemte Anfang Juli nochmal nachzuschauen, waren Stíny plamenů für ein kleines Festival mit dem Quorthon ehrenden Namen Enter the Eternal Fire bestätigt. Gerade mal eine Woche blieb zum Festival, aber es war klar, dass ich da natürlich hin muss.

Es stellte sich heraus, dass die Prager Metro wohl doch ihre Grenzen hat und so musste ich tatsächlich einmal auf einen innertschechischen Bus zurückgreifen. Halb so wild, denn insgesamt kam ich für umgerechnet 5 € nach Volyně, was sich sowohl als größeres als auch als schöneres Städtchen entpuppte, als ich dachte. (Groß ist es dennoch nicht, ich hatte nur mit einem noch kleineren Dorf gerechnet.) Nach einigem Durchfragen im Dorf hatte ich also das Festival gefunden, das, wie ich natürlich zuvor schon recherchiert hatte, in dem örtlichen Freibad stattfand.

Ein weißes, verschnörkeltes mit kunstvoller schwarzer Bemalung
Das Rathaus von Volyně

Ein Freibad mag zunächst als wunderlicher Veranstaltungsort erscheinen, ist aber eigentlich ausgezeichnet für ein kleines Festival geeignet. Schließlich kann die Liegewiese gut zum Zelten verwendet werden, Stände für Essen und Trinken sowie Sanitäranlagen (die übrigens das ganze Festival über wie geschleckt waren) sind vorhanden und der direkt Zugang zum kühlen Nass schadet bei einem heißen Sommerfestival auch nicht. Zudem sind Freibäder ja oft etwas außerhalb gelegen, was das Lärmproblem reduziert.

Schon den ganzen Nachmittag lag ein Grauschleier über der Stadt und pünktlich zu meiner Ankunft am späten Freitagnachmittag, als ich das Zelt aufbaute, machte es Anstalten zu tröpfeln. Das legte sich dann aber bald wieder und ich konnte das Schwimmbecken austesten, wo ich dann auch direkt mal eine Nahtoderfahrung hatte: Ohne Brille musste ich blind darauf vertrauen, dass die Badarchitekten sich schon etwas bei der Position der Springblöcke gedacht haben. Überraschenderweise war das Wasser dort aber nur etwas mehr als knietief. Da ich aber ja schwimmen wollte war mein Sprung sehr flach und ich kam mit dem Schrecken und ein paar Bauchkratzern davon.

Im Vordergrund eine Wiese mit wenigen Zelten. Im Hintergrund das Schwimmbecken und der Kiosk mit Terrasse.
Freie Platzwahl dank früher Ankunft
Im Vordergrund das Schwimmbecken mit kleinem Sprungbrett. An der Seite der Kiosk mit Terrasse. Im Hintergrund die Bühne. Alles umringt von Bäumen.
Im Schwimmbecken war erst am zweiten Tag wirklich was los.

Von den Bands am ersten Abend kannte ich nur The Stone aus Serbien, die auch sehr schön gespielt haben. Die anderen Gruppen waren großenteils auch passabel und die Menge hatte Spaß. Auch am zweiten Tag haben mir tatsächlich alle Bands gut gefallen und von Murder (Serbien/Tschechien) gab es sogar ein Bathory-Cover. Leider hat es deren Live-Bassist dann wohl für nötig gehalten, beim Abgang nochmal kurz die Rückseite seines Basses samt Schwarzer Sonne hochzuhalten. Weiß nicht, wie vielen Leuten das aufgefallen ist …

Entgegengefiebert habe ich vor allem Stíny plamenů und bei zu großer Vorfreude läuft man natürlich leicht Gefahr, dass die zu hohen Erwartungen enttäuscht werden. Das war aber hier nicht der Fall, denn Stíny plamenů lieferten ab. Schnelle tremololastige Spielweise, einprägsame Gitarrenläufe, grimmige Blicke und natürlich Geschichten über Pilsens Kanalisation: Abwasserschwarzmetall wie bestellt! Besonders gefallen haben mir die Gummistiefel mit Bandaufschrift. Leider gibt’s die so nicht zu kaufen.

Bühne mit Band und etwa vierzig Zuschauern
Eröffnungsband Ytivarg

Ein entspannteres und günstigeres Festival gibt es wohl kaum und die Musik war auch genau nach meinem Geschmack. Vielleicht finde ich mich hier irgendwann nochmal wieder.